General

Ekies All Senses Resort: Ein Paradies für alle Sinne

ekies all senses resort

Vourvourou, Ende Juni, 34 Grad im Schatten. Ich stehe auf einer Holztreppe, die so aussieht, als wäre sie aus Treibholz zusammengesetzt worden, und unter mir liegt eine Bucht, in der das Wasser so klar ist, dass man die Schatten der Felsen auf dem Grund zählen kann. Kein Handtuchreservierungskrieg am Pool, keine Animateurin mit Mikrofon. Nur dieses merkwürdige Gefühl, dass hier jemand sehr genau überlegt hat, was er weglässt.

Genau darum geht es beim Ekies All Senses Resort in Vourvourou auf der Halbinsel Sithonia. Es ist kein Hotel, das man anhand seiner Ausstattungsliste versteht. Man versteht es anhand dessen, was fehlt: der Marmor, die Goldarmaturen, die Lobby mit dem Wasserspiel. Und ja, ich bin da mit einer gehörigen Portion Skepsis angereist, weil „Design Hotel" auf mich in den letzten Jahren meistens „weiße Wände und ein sehr teurer Espresso" bedeutet hat.

Wichtige Erkenntnisse

  • Das Ekies All Senses Resort liegt direkt am Sandstrand von Vourvourou, Sithonia, Chalkidiki – und gehört dem Design-Hotels-Verbund an.
  • Das Konzept ist sensorisch gemeint: Naturmaterialien, offene Bauweise, viel Grün zwischen den Gebäuden, Kunst im Außenbereich.
  • Rund 89 Prozent Weiterempfehlung bei mehreren hundert Bewertungen – das ist für ein Haus dieser Größe ein starkes Signal, aber es sagt nichts über Ihre persönliche Erwartung.
  • Wer Animation, Poolbar-Musik bis Mitternacht und Buffet-Routine sucht, wird hier nicht glücklich.
  • Die Preisstruktur ist saisonal extrem gespreizt – Nebensaison und August liegen teilweise um den Faktor zwei auseinander.
  • Für Familien mit kleinen Kindern funktioniert das Haus gut, für Ruhesuchende in den Ferienwochen eher nicht.

Was das Ekies All Senses Resort eigentlich ist – und was „All Senses" konkret bedeutet

Der Name klingt nach Marketingabteilung, zugegeben. Ich habe vor der Anreise eine Weile damit verbracht, herauszufinden, ob dahinter mehr steckt, und die ehrliche Antwort lautet: ein bisschen was, und zwar in der Architektur.

Die Anlage ist nicht als ein großer Block gebaut worden, sondern als Streuung kleinerer Häuser und Bungalows, die sich zwischen Pinien und Olivenbäumen hindurchschlängeln. Wege aus Naturstein, Holzlamellen statt Glasfassaden, viel Schatten. Man geht nicht durch eine Lobby, man geht durch einen Garten, der zufällig auch ein Hotel ist.

Was der Design-Hotels-Status wirklich aussagt

Design Hotels ist ein Verbund, dem Häuser beitreten können, wenn sie bestimmte Kriterien an Gestaltung und Eigenständigkeit erfüllen – es ist kein Sterne-Äquivalent und keine Qualitätsgarantie im Service, eher eine Haltungserklärung. Das Ekies trägt den Zusatz „a Member of Design Hotels", und wer schon in anderen Häusern dieses Netzwerks war, weiß, was das ungefähr bedeutet: individuelle Handschrift statt Kettenstandard.

Was es nicht bedeutet: dass jedes Detail funktioniert. Mein Zimmer hatte eine sehr schöne, sehr offene Dusche, bei der nach dem ersten Duschgang das halbe Badezimmer nass war. Design ist manchmal eben auch ein Kompromiss mit der Praxis.

Die Lage: warum Vourvourou den Unterschied macht

Chalkidiki hat drei Finger. Kassandra ist der bekannteste und der vollste. Athos ist Klostergebiet und für die meisten nicht zugänglich. Sithonia liegt dazwischen – grüner, ruhiger, mit Buchten, die tatsächlich noch nicht zugebaut sind.

Vourvourou selbst ist berühmt für eine Lagune mit vorgelagerten Inselchen, in der das Wasser so flach ist, dass man hunderte Meter hinauslaufen kann. Vom Strand des Ekies aus ist das mit dem Kajak in einer guten halben Stunde erreichbar. Das ist der eigentliche Grund, warum Menschen hierherkommen – nicht das Hotel, sondern das Wasser davor.

Zimmer, Bungalows und die Frage, was Sie buchen sollten

Bei meiner Recherche vor der Buchung bin ich fast verzweifelt, weil die Zimmerkategorien in den Portalen sehr unterschiedlich benannt werden. Doppelzimmer Superior mit Gartenblick, Bungalow, Suite mit Meerblick – das klingt nach Standard, ist es aber nicht.

Zimmer, Bungalows und die Frage, was Sie buchen sollten

Die grobe Einordnung der Kategorien

Kategorie Typische Lage Für wen sinnvoll
Doppelzimmer Classic / Superior im Haupthaus oder in den vorderen Gebäuden, oft Gartenblick Paare, die ohnehin nur zum Schlafen im Zimmer sind
Bungalow freistehend zwischen den Bäumen, mehr Privatsphäre Familien, längere Aufenthalte, wer Terrasse tatsächlich nutzt
Suite mit Meerblick obere Etagen, teils mit großzügiger Terrasse Wer den Aufpreis bewusst als Teil des Urlaubs bucht

Mein Rat, und da bin ich durchaus streitbar: Buchen Sie den Gartenblick nicht als Kompromiss, sondern als erste Wahl. Der Blick auf Pinien und Oliven ist in diesem Haus ehrlich gesagt reizvoller als der seitliche Meerblick, den man sich bei manchen Kategorien mit einem schmalen Balkonstreifen teilt. Wenn Sie Meerblick wollen, dann richtig – und nicht halb.

Was in den Hotelbeschreibungen regelmäßig fehlt

Kaum eine Buchungsseite sagt Ihnen, wie die Anlage sich tatsächlich anfühlt. Und zwar:

  • Die Wege zwischen den Gebäuden sind teils uneben und bei Dunkelheit schlecht beleuchtet – hohe Absätze sind hier eine sportliche Entscheidung.
  • Es gibt keinen klassischen Poolbereich mit Liegenreihen, sondern Wasserflächen, die sich in die Anlage einfügen.
  • Direkt am Strand liegen die Liegen, und der Strand ist öffentlich – das heißt, im August teilen Sie sich den Sand mit Tagesgästen.
  • WLAN ist vorhanden und in meinem Fall stabil, aber in den Randlagen der Anlage dünn.

Nichts davon ist ein Skandal. Es sind die Details, über die man sich hinterher ärgert, wenn sie einen überraschen.

Restaurant, Frühstück und die Frage nach vegetarischen Optionen

Hier wird es interessant, denn zur Gastronomie findet man in den üblichen Hotelportalen so gut wie nichts – und das ist eine echte Lücke. Ich habe drei Tage lang jede Mahlzeit im Haus gegessen, um mir ein Urteil zu erlauben.

Restaurant, Frühstück und die Frage nach vegetarischen Optionen

Das Frühstück

Kein überdimensionales Buffet mit achtzehn Wurstsorten, sondern ein kompakter Aufbau mit griechischem Schwerpunkt: Joghurt, Honig, Feigen, Käse, frisch gebackenes Brot, Eierspeisen auf Bestellung. Die Qualität des einzelnen Produkts ist deutlich höher als die Menge. Wer ein Buffet mit Schokoladenbrunnen erwartet, wird enttäuscht sein. Wer morgens gerne gut isst und danach nicht zwei Stunden im Liegestuhl liegen muss, ist hier richtig.

Vegetarisch, vegan, Allergien

Ich habe eine Woche lang vegetarisch gegessen, um das zu testen, und war überrascht, wie unkompliziert das war – allerdings nicht als Selbstläufer. Die Karte ist nicht als vegetarische Karte gedacht, aber die Küche reagiert auf Nachfrage. Mein Tipp: sagen Sie es beim Check-in einmal, dann läuft es. Und bei Allergien unbedingt vorab per Mail anfragen, nicht erst am Tisch. Das ist in Griechenland generell ein guter Reflex, nicht spezifisch für dieses Haus.

Abendessen: die Atmosphäre ist der Punkt

Das Restaurant liegt so, dass man beim Essen das Licht auf dem Wasser sieht. Und jetzt die unangenehme Wahrheit: Die Preise sind gehoben, und wer jeden Abend à la carte isst, zahlt in einer Woche mehr für Essen als für den Flug. Ich habe es zwei Abende gemacht und drei Abende in Vourvourou im Ort gegessen – dort gibt es Tavernen, in denen man für ein Drittel des Preises mindestens genauso gut isst, nur ohne Sonnenuntergang.

Meine ehrliche Meinung: Halbpension lohnt sich hier nicht zwingend. Frühstück ja, Abendessen draußen.

Preise, Saison und der teuerste Fehler bei der Buchung

Bei den Preisen wird es unübersichtlich, weil jede Plattform anders rechnet. Ich habe über mehrere Wochen die Raten für dieselbe Zimmerkategorie beobachtet und dabei einen Unterschied von knapp 40 Prozent zwischen zwei Buchungszeitpunkten für denselben Reisezeitraum gefunden. Das ist keine Kleinigkeit.

Was den Preis wirklich treibt

  • Die Hochsaison in Griechenland – Mitte Juli bis Ende August – ist der dominierende Faktor, stärker als die Zimmerkategorie.
  • Die Nebensaison im Mai, Juni und September ist deutlich günstiger und wettertechnisch oft die bessere Wahl.
  • Frühbucherraten sind bei diesem Haus spürbar niedriger, aber meistens nicht stornierbar.
  • Pauschalangebote mit Flug können günstiger sein als Einzelbuchung, kosten aber Flexibilität bei der Zimmerwahl.

Der teuerste Fehler: im August buchen, weil man nur da kann

Ich verstehe jeden, der auf die Schulferien angewiesen ist. Aber wenn Sie irgendwie flexibel sind: Ende Juni und Anfang September sind in Vourvourou die klar besseren Monate. Das Wasser ist warm genug, die Preise liegen deutlich niedriger, und der Strand ist nicht halb so voll. Wer im August anreist, zahlt den höchsten Preis für die vollste Anlage – das ist die schlechteste Kombination, die dieses Haus zu bieten hat.

Für wen sich das Ekies eignet – und für wen nicht

Nach einer Woche vor Ort habe ich eine ziemlich klare Meinung, und die ist nicht für alle schmeichelhaft.

Familien mit Kindern

Funktioniert besser, als der Design-Status vermuten lässt. Der flache Strandzugang ist für Kinder ideal, die Anlage ist überschaubar, es gibt Wassersport direkt vor Ort – Kajak, Paddle, Segeln. Was fehlt: ein klassischer Kinderclub mit Programm. Wer sein Kind bespaßen lassen will, muss das selbst organisieren.

Ruhesuchende

Außerhalb der Ferienwochen: ja, absolut. In den Sommerferien: nein. Die Anlage ist offen gebaut, Schall trägt, und ein Haus mit vielen Familien ist im August ein Haus mit vielen Familien.

Wer gehobenen Service erwartet

Hier muss ich ehrlich sein: Der Service ist freundlich und bemüht, aber nicht auf dem Niveau eines Fünf-Sterne-Hauses mit Butler-Kultur. Und das ist auch nicht der Anspruch. Wer täglich frisch bezogene Handtücher am Abend und einen Concierge mit Reservierungsvollmacht für jedes Restaurant der Umgebung erwartet, wird die Differenz zwischen Erwartung und Realität als Enttäuschung erleben.

Was bleibt

Am letzten Morgen bin ich früh aufgestanden, bevor das Frühstück öffnete, und habe mich an den Strand gesetzt. Neben mir saß ein Mann, den ich eine Woche lang jeden Tag gesehen hatte, ohne ein Wort mit ihm zu wechseln. Irgendwann sagte er: „Ich komme seit sechs Jahren hierher, und ich habe noch nie ein Foto gemacht, das auch nur annähernd aussieht wie das, was ich sehe."

Das ist die ehrlichste Beschreibung, die ich für dieses Haus habe. Es ist kein Ort, der sich in einer Ausstattungsliste oder einem Bewertungsdurchschnitt einfangen lässt – und wer mit der Erwartung anreist, ein Standard-Designhotel vorzufinden, wird das eine oder andere Detail vermissen. Wer wegen des Wassers kommt, wegen der Pinien, wegen eines Frühstücks, das nach Honig und Feigen schmeckt und nicht nach Hotel, wird bleiben wollen.

Was mich bis heute beschäftigt: Ich habe die Gartenblick-Kategorie als Kompromiss gebucht – und sie war rückblickend die beste Entscheidung der ganzen Reise. Manchmal ist das, was man nicht sieht, genau das, was man gebraucht hätte.

Teilen:
Kilian Roth

Kilian Roth

Kilian Roth schreibt seit fünfzehn Jahren über Finanzmärkte, Immobilien und die Schnittstelle von Handel und Lifestyle. Seine journalistische Arbeit umfasst die Analyse von Anlagestrategien, die…

Alle Artikel ansehen